
Das Experiment: Wann und wie bietet man das informelle „Du“ an? Man wartet nicht passiv, sondern ergreift proaktiv nach einigen positiven Dates die Initiative: „Wir können gerne beim ‚Du‘ bleiben, wenn es für dich in Ordnung ist. Mir fällt das Gespräch so leichter.“
Beobachtung: Dieser Schritt ist in Deutschland gewichtiger als in vielen anderen Kulturen. Ein zu frühes „Du“ kann als aufdringlich oder respektlos empfunden werden. Ein zu spätes „Du“ wirkt distanziert und steif. Die explizite Erlaubnis einzuholen („Darf ich du sagen?“) ist der klassische, sichere Weg. Das proaktive, aber fragende Angebot unseres Experiments wird meist als charmant, klar und souverän aufgenommen.
Deutsche Analyse: Die Anrede ist ein sozialer Vertrag. Das „Sie“ schützt die Privatsphäre und wahrt Distanz. Das „Du“ öffnet eine Schleuse zu persönlicherer Nähe und informalem Austausch. Der bewusste Wechsel markiert daher eine wichtige Schwelle im Dating-Prozess und wird nicht leichtfertig vollzogen.
Fazit: Der bewusste Umgang mit der Anrede zeigt soziale Kompetenz. Wer den Wechsel vom „Sie“ zum „Du“ einfühlsam und klar kommuniziert, bewegt sich sicher im deutschen Geflecht aus Nähe und Distanz und setzt ein bewusstes Zeichen der wachsenden Vertrautheit.
