
Nach den ersten Nachrichten droht das Gespräch im Austausch von Höflichkeitsfragen zu versanden („Wie war dein Tag?“ – „Gut, und deiner?“). Die Kunst besteht darin, brückenbauende Fragen zu stellen, die vom Allgemeinen ins Persönliche führen, ohne zu aufdringlich zu wirken.
Dokumentation eines gelungenen Gesprächsverlaufs:
User A: „Dein Tag war also gut? Das freut mich. Meiner war ganz produktiv – ich habe endlich meinen Balkon frühlingsfit gemacht.“ (Teilt eine konkrete, positive Information)
User B: „Ein Balkon! Das ist ja toll. Bei mir leider nur ein Fensterbrett mit Kräutern. Bist du ein passionierter Gärtner?“ (Erkennt das Detail auf, stellt eine offene Folgefrage)
User A: „Passioniert vielleicht nicht, aber ich liebe es, draußen zu sein. Es ist mein kleiner Ausgleich zum Bürojob. Die Kräuter auf dem Fensterbrett sind aber auch ein guter Start! Was züchtest du denn so?“ (Verbindet Hobby mit Beruf, gibt Einblick in Lebensweise, stellt Gegenfrage)
User B: „Vor allem Basilikum – der geht immer ein. Aber zurück zum Bürojob: Was machst du denn, dass du den Ausgleich so brauchst?“ (Witzige Selbstironie, lenkt das Gespräch gezielt auf den Beruf, ein klassisches deutsches Thema)
Wendepunkt: Die Frage nach dem Job ist in Deutschland ein sicheres und erwartetes Thema, das Rückschlüsse auf Bildung, Werte (Work-Life-Balance!) und Alltag zulässt. Die Frage ist nicht „Was arbeitest du?“, sondern „Wie ist dein Job, dass du den Ausgleich brauchst?“ – sie zielt auf die Erfahrung und nicht nur auf den Titel ab.
Werkzeugkasten: Fragen, die tiefer gehen
Statt: „Hast du Hobbys?“ -> „Was fasziniert dich so an [genanntes Hobby], dass du dir Zeit dafür nimmst?“
Statt: „Magst du Reisen?“ -> „Was war eine Reise, auf der du dich selbst überrascht hast?“
Statt: „Wie war deine Woche?“ -> „Was war das Highlight deiner Woche, und warum?“
