
Das Experiment: Man versucht, Spontaneität in den deutschen Dating-Prozess zu bringen. Statt einen konkreten Termin nächste Woche vorzuschlagen, sagt man am Donnerstag: „Hey, hast du Lust, morgen spontan was zu machen?“
Beobachtung: Die Erfolgsquote ist gering. Die typische, wohlwollende Antwort lautet: „Ach, schade, da habe ich schon was vor. Aber wie sieht es bei dir nächsten Dienstag oder Mittwoch aus?“ Deutsche Dating-Kultur ist planungsbasiert. Spontaneität wird mit Leerlauf oder mangelnder Wertschätzung („Ich plane nur für letzte Minute ein“) assoziiert.
Deutsche Analyse: Der deutsche Kalender ist ein heiliges Instrument der Selbstbestimmung. „Spontan“ heißt oft „nicht priorisiert“. Ein konkretes, frühzeitiges Angebot signalisiert hingegen: „Ich möchte Zeit mit dir verbringen und nehme mir diese bewusst dafür frei.“ Es ist eine Form der Wertschätzung. Spontaneität ist in etablierten Beziehungen willkommen, in der Kennenlernphase jedoch riskant.
Fazit: Das Experiment lehrt: Spontaneität ist der falsche Schlüssel für die deutsche Dating-Tür. Der richtige Schlüssel ist die frühzeitige, konkrete Planungsanfrage. Sie übersetzt Interesse in die deutsche Sprache der Verlässlichkeit.
