
Das Experiment: Man vereinbart ein Date um 18:00 Uhr. Der Experimentator erscheint exakt um 18:00 Uhr. In vielen Kulturen akzeptabel, in Deutschland oft schon knapp. Die wahre deutsche Norm ist: Man ist 5-10 Minuten vor der Zeit da.
Beobachtung: Pünktlichkeit ist kein netter Zug, sie ist eine Fundamentalnorm. Zu spät zu kommen (ohne dringende, vorher kommunizierte Gründe) wird als respektlos, unorganisiert und als Zeichen mangelnden Interesses interpretiert. Umgekehrt signalisiert frühes Erscheinen Wertschätzung, Verlässlichkeit und dass man den Abend priorisiert hat. Wer um 17:55 Uhr am Treffpunkt ist, hat mentale Ruhe – wer um 18:04 Uhr hetzend ankommt, startet mit einem Minuspunkt.
Deutsche Analyse: Hinter der Pünktlichkeit steckt die deutsche Logik der Planbarkeit und gegenseitigen Rücksichtnahme. Ein spätes Erscheinen stört nicht nur den Ablauf, sondern wirft die gesamte, oft durchdachte Planung (Tischreservierung, Veranstaltungsbeginn) über den Haufen. Sie ist ein Proxy für generelle Verlässlichkeit im Leben.
Fazit: Das Experiment beweist: Die Ankunftszeit ist die erste non-verbale Leistungsbewertung des Dates. Wer hier die ungeschriebene Regel („deutsche Pünktlichkeit = 5 Minuten früher“) missachtet, kämpft von Beginn an gegen ein kulturelles Vorurteil an.
